Dienstag, 15. Januar 2013

Die Kapitäne der Blaubären

Zusammenfassung: Curling ist cool, Central Otago heiß, aber schön und Fruchtpflücken, bisauf die unregelmäßigen Arbeitszeiten nett. Am 13. Jamuar haben wir dann auch nochmal Weihnachten gehabt, weil unsere Weihnachtspost angekommen ist.

Am nächsten Morgen sollte es wegen der 150 Jahrfeier noch eine Parade geben. Doch nachdem wir ausgecheckt hatten, war es sehr still in Ranfurly und es schien nix los zu sein. So beschlossen wir gleich nach Naseby zu fahren und uns vielleicht noch den Ort anzusehen. Dort waren einige Straßen gesperrt und wir fanden heraus, dass die Parade hier stattfinden sollte und nicht in Ranfurly, weil vor 150 Jahren Naseby das Zentrum im Umland war, bis die Zuglinie gebaut wurde, die durch Ranfurly verlief. Doch zu viel Zeit hatten wir auch nicht, da wir ja um 12 einen Termin zum curlen hatten. So fuhren wir ein wenig früher hin, was auch gut war, weil unsere online-Buchung scheinbar nicht angekommen war. Zum Glück war noch eine Bahn frei. Dann schauten wir eine Einführungs-DVD und wurden noch kurz ein wenig trainiert. Nun ging's auch schon richtig los und wir spielten eher darum die meisten Steine ins Abseits zu befördern. Nach der 4. Runde stand es unentschieden. In der letzten Runde konnte David dann noch 2 Steine in die Mitte schlittern und gewann damit 2:4. David hat es auf jeden Fall extrem viel Spaß gemacht. Aber es war tatsächlich ganz witzig, ein bisschen wie bowlen nur kälter. Gezählt werden alle Steine die auf den Kreisen liegen. Wenn beide Parteien Steine darauf liegen haben, werden die Steine desjenigen gezählt, der dichter an der Mitte liegt. Der Andere geht immer leer aus. Nachdem wir fertig waren, schloss die Halle, um, wie wir kurz darauf herausfanden, bei der Parade mitzufahren. Curling ist nämlich in dieser Region seit Generationen verbreitet. Das Ende der Parade haben wir also dann auch mitbekommen.

Danach setzten wir uns noch mit auf den Festplatz in den Schatten, wo aber nicht viel los war, außer viele Menschen mit leckrem Essen, sodass wir uns schließlich auch zwei Hotdogs am Stiel und einer Pommes ergaben. Als wir uns dann endlich aufrafften unseren Stadtrundgang zu machen, bogen wir auch gleich wieder in einen Kiosk ab, um Eis zu kaufen. Es war furchtbar warm, um die 33°C wie wir später erfuhren. Wir machten aber brav unseren Rundgang, während wir teilweise schon am Asphalt kleben blieben, der sich bei der Hitze anfing aufzulösen. Danach fuhren wir noch zum Hamilton Friedhof, einem alten Goldgräber Friedhof. Dann wollten noch nach St. Bathans, einer weiteren alten Goldgräberstadt. Fuhren aber gleich weiter zum Camp Ground und versuchten so gut es geht nichts zu machen, um nicht komplett zu zerfließen. Doch es wurde nur langsam kühler und selbst als es dunkel war, kam man noch ins schwitzen.

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Am darauffolgenden Tag sollte es auch warm werden, aber nicht ganz so doll. Zuerst fuhren wir nach St Bathans zum Blue Lake. Der war früher mal ein Hügel bevor dort Gold gefunden wurden. Dann wurde er zur Ebene abgetragen und dann auch zum Loch, das sich dann mit Wasser füllte und zum Blue Lake wurde.

Danach schauten wir uns noch die alten Gebäude an, die Post, das Gold Office, das Hotel, die Schule, eine katholische Kirche und die Schulruine, die einem Erdbeben zum Opfer fiel. Dann fuhren wir eine Strecke, die ausgeschildert war, da hier viele alte Gebäude stehen, zur Ebene von Rohan oder eher zu der Gegend, die für die Ebene von Rohan im Film herhielt. Wirklich sehr schön anzusehen, sehr herrderringig. Danach fuhren wir über Gravel und mit Aussicht nach Alexandra.

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Am nächsten Tag wollten wir erstmal zur Arbeitsvermittlungsagentur für saisonale Jobs, um uns registrieren zu lassen und danach ein bisschen wandern. Wir gingen hinein, warteten bis wir zum Tisch gerufen wurden, füllten eine Tabelle aus. Dann wurden wir gefragt wann wir anfangen können und was wir machen wollen. Beides war uns egal und so bekamen wir prompt einen Job in Roxburgh zum Cherry Picking.

 Eine halbe Stunde später bekamen wir einen Arbeitsvertrag in die Hand gedrückt und nach einer weiteren halben Stunde machten wir uns fertig, um Kirschen zu pflücken. Wir wurden kurz eingewiesen welche Farbe die beste und welche Größe in Ordnung sind(Color Picking Export quality), bekamen ein Dingsbums, was man sich umschnallen kann, wo man den Eimer ranhängt und eine Leiter und bekamen dann eine Reihe zugewiesen. Und los ging's. 4 Stunden Arbeit ergaben 4 bzw. 5 Eimer Kirschen. Leider hätten wir mindestens das doppelte in der Zeit schaffen müssen. Vielleicht gucken wir einfach zu sehr auf richtige Farbe und Form. Vielleicht können wir's auch einfach nicht. Wir werden es wohl daran merken, ob wir bleiben dürfen oder nicht.
Am nächsten Tag sollte es um 7 Uhr losgehen. Kurz vor 7 kam dann die Nachricht, dass es frühestens um 8 losgeht, da die Kirschen zu nass wären und sie jetzt einen Helikopter holen. Wir legten uns noch bisschen hin. Um 8 warteten wir dann auf neue Ansagen und guckten mit den anderen dem Helikopter zu, wie er immer im Kreis über die Kirschen flog bis es dann eine halbe Stunde später los ging.
9 bzw. 12 Kirscheimer weiter wurden wir zu den Blueberrys geschickt, weil wir einfach nicht schnell genug waren. Völlig abgehetzt - zuvor sollte ich nämlich nochmal versuchen schneller zu werden und dann die Reihe fertig zu machen und dann die Eimer zu der Aufseherin bringen, die mich dann für die Qualität lobte, aber weiterschickte - kam ich dort an. Dort war gerade Pause, es lief laut Musik und die Vorsteherinnen waren sehr ruhig und entspannt und die anderen Mädchen erklärten mir, dass sie auch alle zu langsam gewesen seien und gleich am ersten Tag weggeschickt wurden. Dann wurde ich kurz eingewiesen und los ging's. Da die Blueberrys erst um 11.angefangen hatten, arbeiteten wir auch bis halb 10 abends. Aber das war okay, wir hatten das Gefühl was ausgleichen zu müssen. Außerdem ist die Arbeit echt gut. Fast wie Büro nur mit einem viel tolleren Umfeld, man sitzt auf seinem Trolley oder zwischen den Büschen und pickt, pickt, pickt. Gerade schnell sind wir auch nicht, aber wir hoffen wir können uns verbessern bevor wir rausgeschmissen werden.
Normalerweise fangen die Blueberry-Picker eine Stunde später an als die Cherry-Leute, also um 8. Auch an diesem Tag hingen wir ein bisschen zurück, aber wir wurden immer für unser gutes Picking gelobt. Kurz nach der Mittagspause kam ein kleiner Husch und die Arbeit wurde beendet. Feuchte Früchte werden nicht gepflückt. Das war zwar bisschen ärgerlich aber so konnten wir uns vom anstrengenden vorherigen Tag ausruhen.
Am folgenden Tag, es hatte viel geregnet, fingen wir erst um 1 an. Davor fuhren wir noch nach Roxburgh, um ein bisschen einzukaufen und machten Nudeln mit Ei, weil wir dachten, wir würden auch lange arbeiten, wenn wir so spät beginnen. Doch um 7 war wieder Feierabend. Inzwischen hatten wir uns zumindest an den Mindestlohn rangearbeitet. Bei den Blueberrys wird man nach Schalen bezahlt. 4$ pro Schale heißt, dass wir 3 bis 4 pro Stunde pflücken müssen. Und trotzdem wird unsere Qualität immer noch sehr gelobt. Das Leben auf dem Orchard ist trotz minimierter Arbeitszeiten doch anstrengend, aber auch schön. Die anderen Leute sind alle super nett und die Arbeitgeber doch stets bemüht, dass es allen gut geht.

Am Freitag mussten wir dann schon um 7.30 anfangen, hörten überraschenderweise aber schon um 11 auf mit der Ansage, dass am nächsten Tag nur Cherrypicking ist. Mist. Die anderen waren aber schon wieder dabei Pläne für die viele freie Zeit zu schmieden und beschlossen zum See zu fahren und BBQ zu machen. Wir wollten später Nachkommen und vorher noch nach Roxburgh, um etwas fürs BBQ zu kaufen. Danach verfuhren wir uns noch und landeten statt am See am Roxburgh Dam, der Grade Wasser ließ und bei dem wunderbarem Wetter tolle Regenbogen machte. Doch schließlich fanden wir sie noch und wurden zunächst selbst gegrillt, bevor gegen 6 einer der Deutschen den Grill anmachte. Insgesamt waren wir 7 Deutsche, 2 Franzosen, 2 Argentinier, 1 Malaysier und eine Neuseeländerin, doch es klappte ganz gut auf englisch zu bleiben. Zum Feuer spielte David dann noch Gitarre und die anderen sangen, ob deutsch, englisch oder spanisch aus Davids Liederbuch, so wurden auch deutsche Schlager mit einem frischen Französisch/kiwianischem Akzent versehen. Erst hat sich David zwar ein wenig bitten lassen, aber nachher saß er musikmachenderweise doch eine Weile mit dem Malaysier zusammen, der super singen konnte. Nachdem alle ihre Köstlichkeiten gegrillt und gegessen hatten, spielten die einen noch Fußball, während die anderen sich am Feuer wärmten. Einen Kulturschock gab es dann auch noch, als die Kiwidame nieste. Der höfliche deutsche sagt dann natürlich Gesundheit. Übersetzt wird das mit bless you, oder auch god bless you, was eigentlich Gott segne dich heißt. Jedoch ist der Kiwi eher heidnisch veranlagt, so dass auf das Niesen bezogene "god bless you" die Antwort "god bless you too my friend" kam. Vielleicht ein wenig Situationskomik, aber doch erwähnenswert. Danach spielten wir noch ein paar Runden Mafia/Nacht in Palermo, was alle Nationalitäten irgendwie kannten nur in verschiedenen Versionen und unter verschiedenen Namen. Ok ich kannte es nicht, hab's aber dann bis zur letzten Runde doch noch verstanden und hab sogar als thief/murderer gewonnen hähä :D Es fühlte sich alles so ein bisschen nach Ferienlager an, bzw wie es unser Visum schon sagt: Working holiday

Danach war es schon ziemlich spät und kalt und so ging's zurück zum Orchard. Wir haben noch unser Brot gebacken, im letzten Winkel Neuseelands haben wir tatsächlich einen Ofen gefunden der Umluft und sogar Licht hat. Deswegen wird das Brot zurzeit immer richtig gut und wir konnten uns ja zeit lassen, da wir wie zu erwarten nicht fürs Cherry Picking eingetragen waren.
So konnten wir am nächsten Tag ausschlafen. Richtig toll mal nicht im bitterkalten aufstehen zu müssen. Dann machten wir unsere Wäsche und haben Kollege Jonas' Brot gebacken, ein Deutscher, der mit einem Franzosen unterwegs ist, die aber beide arbeiten mussten. Dann räumten wir unseren van auf, da wir noch nach Dunedin fahren wollten, um endlich unsere Weihnachtspost zu holen. Als wir fragten, ob noch jemand was aus Dunedin braucht, entschied sich Baily,eine Neuseeländerin, mit uns zu kommen, um ihre Familie zu besuchen. Außerdem sollten wir noch ein Handtuch mitbringen für eine Frau, die wir vorher noch nie gesehen hatten, aber gut. Als wir losgefahren waren, stellten wir fest, dass es die Adresse, die wir durch ein Telefonat mit dem deutschen Verlobten der Frau hatten, nicht gab. Baily fragte daraufhin alle ihre Freunde, wo das sein könnte und mit einigen Buchstabenverdrehungen und der Führung ihres Freundes Sam gelangten wir tatsächlich an das vergessene Handtuch. Wir hatten Beverly verstanden, gemeint war aber Waverly. Mal sehen ob wir auch die Frau wiederfinden. Dann fuhren wir tanken und
einkaufen und dann nach Portobello zu unserer Post. Nachdem wie das Päckchen und die Briefe in Empfang genommen hatten, stürmten wir zum Auto und zelebrierten ein zweites Weihnachten mit richten Geschenken. Das war so schön und wir haben uns sehr, sehr, sehr gefreut. Dankeschön!

Danach wollten wir noch zur Bibliothek und endlich mal wieder was von uns hören lassen, aber es war ja Samstag und so war diese schon zu. So wollten wir nur noch schnell Baily abholen und zurück. Die erklärte uns dann aber, dass sie in Dunedin bleibt, weil es morgen regnen soll und es dann wahrscheinlich auch keine Arbeit gibt. So fuhren wir zu zweit wieder zurück.
Als wir zurück waren gab's ne Überraschung denn statt gar keine Arbeit sollte es morgen schon um 7 losgehen. Buu.
Als am nächsten morgen der Wecker klingelte, hatte es aber bereits angefangen zu regnen und sogar zu donnern. Gefühlt regnet es mehr seid wir hier sind, als es insgesamt während unserer ganzen Reise zuvor geregnet hat. So drehten wir uns nochmal um und ich ging später nochmal gucken, wann es losgehen sollte. "No work this Morning" und so ging ich wieder schlafen. Gegen 10 krochen wir dann erneut aus unserem Van, um 1 sollte es mit den Blaubeeren losgehen. Wir machten uns noch Milchreis und denn gings wieder los. Der Tag lief leider nicht so gut, die Büsche waren irgendwie noch nicht gut, zwar alle pralle voll aber jede Beere immer noch ein bisschen rosa. So waren wir extrem langsam, aber ein paar andere zum Glück auch wie zB. Die Frau für der wir das Handtuch mitgebracht haben. Sie scheint aber doch sehr tüdelig. So fiel sie einmal fast in Zeitlupe rückwärts von ihrem Trolley, was die Vorarbeiterin, die normalerweise ein seehr ruhiges Gemüt ist, so zum lachen brachte, dass sie sich zwischen die Büsche setzen musste. Und später fiel ihr noch eine ganze Schale Blaubeeren einfach vom Trolley, obwohl die normalerweise in der Kiste stehen. War wohl auch nicht so ihr Tag. Um 7 war zum Glück Schluss und es ging nach Hause.

Heute wollten wir eigentlich diesen Eintrag endlich mal hochladen und Brot war auch wieder dran, denn morgens hieß es mal wieder: blueberries are too wet, no work.
Als wir dann 11:25Uhr das Brot gerade angerührt hatten und mit dem Mittagessen beginnen wollten hie es 11:30Uhr arbeiten. Man ist hier sehr spontan. Nun sind wir kaputt, aber freuen uns euch mal wieder ein Lebenszeichen gesendet zu haben.

Insgesamt macht uns Blaubeeren pflücken sehr viel Spaß und nun wissen wir auch ein wenig mehr wo die Kirschen im Supermarkt herkommen. Aber wir brauchen keine kaufen, denn wir kriegen genug aussortierte hingestellt. Das wir aussortiert werden bezweifeln wir mittlerweile, weil wir, wenn wir auch nicht die schnellsten sind(aber wir werden besser), für unsere Qualität gelobt werden und die Eimer eigentlich immer zu voll machen und deshalb beim wiegen immer noch ein wenig wiederbekommen(1 Eimer= 1kg). Das wurde heute auch noch einmal erwähnt. So haben wir das Wort generous gelernt.

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