Donnerstag, 15. November 2012

Wir sind jetzt eine Schnecke



Weil das ein sehr langer Eintrag wird, gibt’s ne Zusammenfassung für die Faulen und Zeitknappen:
-Sonntag: kleiner Markt->toll, Pauline Wanderschuhe gekauft
-Montag: organisatorisches, Wandern aber nur die kurze nicht gesperrte Strecke
-Dienstag: Canterbury Museum: nett aber auch viel geschlossen wegen Erdbeben
-Mittwoch: Kajaktour, Stadtführung, Versicherungsabschluss
-Donnerstag: Adrenalin Forest(Kletterwald) richtig lustig


Hallo Freunde
letzten Sonntag(verrückt heute ist schon wieder Donnerstag) haben wir im Eintrag den Tag des Schreibens weg gelassen. Das hol ich denn mal jetzt nach.
Also: an dem besagten Tag wollten wir uns mal unter die locals mischen. Drum gingen wir zum Riccarton Markt. Riccarton ist sowas wie Chinatown, dachten wir.
Weiter als zur Riccarton Mall sind wir nie gekommen und der Markt war gar nicht so weit weg davon. Aber was da hinter dem Einkaufszentrum war, haben wir nicht erwartet. Ein gepflegtes Vorstadtviertel wie in einem amerikanischen Film,  inklusive Veranstaltung vor der Kirche mit Kuchenverkauf und allem drum und dran und Kindern die Limo verkaufen am Straßenrand.

Der Markt selbst war im Park gelegen. Er war ein schöner kleiner Wochenmarkt. An den Wegen standen viele Kinder, die mehr oder weniger erfolgreich Musik machen. 2 Jungs mit Gitarren und Gesang klangen sehr gut.

Größere Kartenansicht
Am Ende des Marktes war der Riccarton Bush, den uns Jen(die Vorbesitzerin des Autos) empfohlen hatte. Wenn man ihn betritt, ist man auf einmal mitten im Wald. Er war ein Überbleibsel des Waldes der einst dort war, wo heute Christchurch ist. Dort leben Kiwis, die man natürlich am Tag nicht sieht.



Danach haben wir uns ein leckeres Backstück geholt und ans kleine Flüsschen gesetzt, wo süße Entlein mit der Strömung kämpften. Nachdem wir kurz da saßen begann hinter uns ein Junge Klarinette zu spielen. Erst etwas Merkwürdiges , dann wonderful world. Dies war aber nicht zum mitsingen geeignet und auch nur 0,5 Strophen lang, denn dann begann etwas Anderes und kurze Zeit später wieder alles von vorn. Letzten Endes war es auch dies, was uns weiter ziehen lassen hat.
Nun stand Wanderschuhe für Pauline kaufen auf dem Plan. Wir hatten schon viel gesucht, aber meistens waren sie zu teuer oder zu groß. Auch dieses Mal gab es nur Schuhe in Größe 37. Pauline probierte sie trotzdem. Verrückterweise waren sie ihr sogar ein bisschen zu klein, weshalb sie am Ende ganz stolz mit Schuhen in Größe 38,5 den Laden verließ.
Dann schlenderten wir noch ein wenig weiter in der Mall herum und zack war es schon wieder später Nachmittag. Da wir noch Kanu fahren wollte eilten wir zur Avon, vorbei am Hagley Park, der mit seinen Zahlreichen Sportanlagen das Herz der Stadt bildet. Leider kamen wir zu spät. Zum Glück hatte der Eisladen noch nicht zu. Der Tag war gerettet und wir beschlossen noch den letzten Blogeintrag zu schreiben.

Sonntag war dann Wasch- und Organisationstag, weil es gewittern sollte. Aber das Wetter blieb gut, was ein wenig ärgerlich war.

Montag hatten wir Einiges auf dem Zettel.
Zuerst ging es zur AA (australischer ADAC) eine Mitgliedschaft beantragen. Sicher ist sicher.
Dann etwas Trinken kaufen und einen Snack dazu und etwas essen.
Zur Isite (der Touristinfo) mussten wir auch noch um uns mal ein paar Campingplatzkarten zu besorgen. Jetzt mussten wir nur noch bei der Post checken, ob etwas für uns angekommen ist und dann ging es zum Bus in den Außenbezirk Sumner. Vor Angst die Bushalte zu verpassen sind wir zu früh ausgestiegen. Den Weg haben wir trotzdem gefunden. Jen bat uns herein und gerade als wir drinnen waren, begann es draußen zu gießen. Ihr Kind war noch im Kinderwagen, der draußen stand. Weil es so unsanft geweckt wurde, war es nicht so wirklich fröhlich drinnen. Doch mit unserem kleinen Mitbringsel, was wir mitgebracht hatten, lachte es bald wieder, zuckersüß wie immer. Dann übergaben wir der Mutter noch einen Batzen Geld und bekamen einen Zettel mit ein paar Funktionshinweisen .

Zu guter Letzt überreichte sie uns dann den Schlüssel zum Glück, unserem Heim, unserem Fortbewegungsmittel(haha jetzt sind wir eine Schnecke)- UNSEREM CAMPERVAN
 

Bevors losgeht muss natürlich erst mal das Radio in Betrieb genommen werden. Darauf folgte das provisorische Abwürgen des Motors, weil ich die Handbremse, wie bei Testfahrten vergessen hatte. Naja immerhin war ich dieses Mal auf der richtigen Seite eingestiegen(das Steuer ist hier links und auch das hatte ich bei den Testfahrten nicht bedacht.

Irgendwann haben wir uns dann doch los bewegt. Wir waren wieder im Vorort viel Platz auf der Straße, was für die ersten Fahrmeter recht gut war. Jedoch wollten wir noch zu einem Wanderpfad fahren. Wie in Christchurch üblich war der normale Weg gesperrt, deshalb standen wir in einer Sackgasse mit dem Riesenauto. Also hieß es wenden, was auch dank Paulines Einweisung gut gelang. Bald waren wir auf der richtigen Strecke, welche laut Jen ziemlich knifflig zum Üben aber ok sein sollte.
Die Realität war eine typische(bzw. besonders enge) Bergstraße mit Serpentinen Abhängen und allem was dazu gehört.
Ich kämpfte mich ein Stück hoch, mit der ständigen Angst mein letztes Stündchen könnte geschlagen haben. Deshalb war ich auch froh als Pauline sagte, ich soll mal am Straßenrand halten wir drehen um. Nur der Straßenrand war recht klein, ziemlich steil und noch dazu direkt hinter einer Kurve. Außerdem war da noch die Steigung und das schwere Auto und ich. Natürlich gab es keine Wendemöglichkeit. Die Lage schien aussichtslos. Ich dachte an rückwärtsfahren, Jen anrufen, AA anrufen und an was nicht alles. Doch dann kam mir eine Stimme in den Kopf. Sie war vertraut und doch so lang nicht mehr gehört.
Es war Herr Borchert.
Lektion: Anfahren am Berg. Handbremse anziehen… Schleifpunkt suchen… ein wenig Gas…. Und Handbremse lösen Kupplung kommen lassen Gas geben abgewürgt. Die Handbremse war nicht richtig gelöst. Also noch einmal das ganze… und wir waren wieder im Spiel. Was ‚ne Erleichterung
Weiter ging die wilde Fahrt. Die Straße lief sehr eng am Felsen entlang was Pauline ein wenig beunruhigte. Ich war noch ein wenig aufgeregt, darum sollte Pauline wieder Musik anmachen.
Ihre Liedauswahl war Vorzüglich. Froh dabei zu sein von Philipp Poisel. Für jeden der es nicht kennt hier ein paar Textauszüge:
„Du bist doch noch so jung, das ist was die Leute sagen, doch wenn ich heute gehen müsste, könnte ich mich wirklich nicht beklagen“
„Ich hab furchtbar Angst vorm Tod“
„zwischen all dem Sturm und Regen, bin ich auch viel im Sonnenschein, auch wenn die Angst vorm Sterben weh tut, bin ich froh froh dabei zu sein.“

Ich denke das Thema des Liedes wird ein wenig klar.
Irgendwann waren wir dann endlich oben. Ich war heilfroh, weil ich dachte runter kann ja nicht mehr so schwer werden. Jedoch Pauline sagte „Papa sagt runter ist viel schlimmer als hoch“. JUHU!
(Mehr Infos zum Auto gibt`s in der nächsten Ausgabe von „Wo ist David?“!)

Letztendlich wars(für mich) gar nicht so schlimm. Trotzdem waren wir angekommen doch sehr fertig mit den Nerven. Da tat ein wenig wandern recht gut. Aber Christchurch wäre nicht Christchurch, wenn der Wanderweg nicht wegen des Erdbebens gesperrt wäre. Zum Glück entdeckten wir noch einen anderen Wanderweg, welcher auch sehr eindrucksvolle Panoramen eröffnete. 

Nach der Hälfte war aber auch dieser gesperrt. Deshalb mussten wir auf der Straße weiter ziehen. Dort trafen wir eine ältere Frau, die uns fragte, ob der Weg frei ist, den wir gekommen sind, weil man in diesen Tagen nicht weiß was nicht gesperrt ist.


(die Fahrtstrecke;die Wanderstrecke verläuft da am Wasser lang)



Da wir uns in einem feineren Viertel befanden blickten wir im vorbeigehen ein wenig in die Häuser hinein. In einem stand sogar schon ein Weihnachtsbaum. Hier scheint alles ein wenig früher zu sein. Seit unserer Ankunft gab’s schon Weihnachtsmänner, seit wir in Neuseeland sind Weihnachtsschmuck im alles muss raus Bereich und im Bücherladen wo die Weihnachtskarten und Kalender für nächstes Jahr schon reduziert sind, wurde ich, als ich ein Spiel für uns und die Kleinigkeit für das Kind gekauft habe von der Verkäuferin gefragt für wen das denn das Weihnachtsgeschenk ist. Ich habe mich ertappt gefühlt und nur „nicht für mich“ gesagt, weil das Spiel(für das ich vllt zu alt bin) für mich war und das Babyteil auch cool fand.

Die Rücktour hat dann richtig Spaß gemacht und der Einkauf fiel auch ein wenig größer aus, da wir ihn ja nicht mehr schleppen brauchten.

Dienstag wollten wir endlich Kanu fahren. Aber irgendwie war es dann doch zu kalt und wir gingen ins Canterbury(Provinz, deren Hauptstadt Chch ist) Museum. Der Eintritt war frei, jedoch bekamen wir am Anfang eine Karte, auf der wir gezeigt bekamen, dass doch leider nur die Hälfte geöffnet war.  
Es war trotzdem ganz nett und wir haben uns lange dort aufgehalten. Zuerst wurden einem die Moas vorgestellt. Vögel wie man sie in der Urzeit vermutet, aber erst vor 500 Jahren ausgerottet. Wodurch? Natürlich durch den Menschen. Jedoch nicht wie man jetzt vermuten mag die Europäer, sondern durch die Maori. Diese kamen auch erst vor 500 Jahren hier an. Davor gab es hier keine Landsäugetiere. So konnte sich auch unter anderem der Kiwivogel, ein naher Verwandter der Moa, entwickeln.
Deshalb erkannte der Moa als die Maori kamen auch die Gefahr nicht und wurde eine leichte Beute und somit auch schnell ausgerottet. Die Maori brannten auch manchmal ganze Wälder nieder damit sie sich nicht mühsam dort durchschlagen mussten. Verblüffend
In einem weiteren Raum waren dann noch Gewänder und Möbel ausgestellt, in einem anderen eine Straße mit Läden usw. von früher nachgestellt. Im letzten war dann noch die Antarktis und die Expeditionen dorthin Thema.
Abends genossen wir dann mal wieder den Pizzadienstag


Der letzte Touripflichtpunkt musste dann Mittwoch erledigt werden: die Stadtführung.
Aber zuvor haben wir es tatsächlich noch geschafft die Avon einmal mit'm Kajak hoch und wieder runter zu schippern. Jedoch hab ich mich beim Umgang mit diesem merkwürdigen Ruder ganz schön nass gemacht.
Mit nasser Hose ging’s dann auf Stadtführung, die im Prinzip daraus bestand, dass wir zu sehen und hören bekamen, was mal wo war. Ok ganz so schlimm war’s nicht, aber manchmal kam es einem echt so vor. Sogar die Reste der Kathedrale haben wir gesehen.
 
Danach hatten wir noch einen Termin mit der Frau die uns unser WWOOF-Buch gebracht hat, weil sie auch Backpackerautoversicherungen macht und ihre tatsächlich die günstigste zu sein scheint.
Sie konnte nicht zu uns kommen, also auf in den Bus. Auf der Rücktour hab ich mal mitgezählt, 14 Stationen sind wir auf dem hinweg zu früh ausgestiegen. Mal wieder Angst gehabt zu weit zu fahren und nirgends sieht man wo man ist. Keine Namen an den Bushaltestellen, geschweige denn eine Netzkarte im Bus.
Naja letztendlich kamen wir nach einer 40 Minuten Hetz/Hitzwanderung an.
Auf Formularen ist es immer wieder lustig das Jailhouse(Gefängnis) als Wohnort anzugeben. Ab jetzt sind wir also versichert und das heißt Autofahren! 




Abends hab ich dann für uns Vanille-Milchnudeln gemacht. Pauline hat es auch gegessen. Sie verwundert mich immer wieder, indem sie Sachen isst, von denen ich nicht vermutet hätte, dass sie sie mag.

So jetzt sind wir in der Gegenwart fast angekommen. Heute waren wir nämlich im Adrenalin Forest, einem Kletterpark. Den Vorschlag hierzu habe ich gemacht, mit der Vermutung Pauline würde ablehnen. Falsch Gedacht. Also sind wir hingefahren, immer schön auf der linken Straßenseite, und erfreulicherweise war außer den beiden freundlichen Mitarbeitern keiner da. Es gab Parcours von 1(leicht) bis 6(sehr schwer). Anfangs wurde man kurz eingewiesen, wie man sich zu sichern hat, denn immerhin war die höchste Stelle in Kurs 6 auf 23m. Dann ging’s los. Kurs 1 war entspannt, was nicht heißt langweilig. Es gab Flying Foxes(Seilbahnen), Netze, Drahtseile, was man so im Kletterpark findet. Ich bin immer vorne weg und Pauline hinter her. Im Kurs 2 gab es Fässer, die in der Luft durchquert werden mussten. Leider haben wir da unseren Fotoapparat nicht mit hoch genommen gehabt, aber glaubt mir es sah echt lustig aus wie man da halb drin halb zwischen hing. Vor Kurs 3 wurde uns gesagt, dass dieser wohl recht gleichschwer, wie der 2te ist, aber der 4. Darum umso schlimmer. Aber Pauline störte dies nicht und kam mit mir auf diesen harten Weg. Ich weiß nicht wie oft ich gedacht habe „ohje jetzt steigt Pauline aus“, aber sie hat weiter gemacht, so schwer es auch mit ihren 1,59cm war. Nach dem 4. Kurs war es schon recht spät und wir recht kaputt, deshalb machten wir uns auf den Heimweg. Zuvor betonte der Betreuer des Parks noch einmal, dass die wenigsten den 4. schaffen(außer die Profis die nur den vierten, fünften und sechsten machen). Außerdem gab er uns noch einen Wandertracktipp.

Morgen ziehen wir aus, mal sehen was die Zukunft bringt,
bis dahin alles Gute, Danke fürs Lesen
euer David

P.S. Pauline erwartet, dass man sich bei ihr meldet, wenn man eine Karte von ihr bekommt

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